|
Kendo in der Schweiz
Kendo wurde in der Schweiz erstmals in den Fünfziger Jahren gelehrt. In Genf organisierten zwei japanische Kampfkunstlehrer gelegentlich Kendo-Wochenenden. Hier nimmt die erste Schweizer Kendo-Karriere ihren Anfang. Der Baselbieter Fritz Dettwiler (Jg. 1921) findet im Kendo seine Bestimmung. Durch sein Engagement ist er zum eigentlichen Wegbereiter des Kendo in der Schweiz geworden. Dettwiler trainiert noch heute regelmässig in seinem Dojo in Gelterkinden.
Mit dem Engagement der Genfer und Gelterkindener Kendo Pioniere konnte sich Kendo in der Schweiz allmählich etablieren und international positionieren. Der Vollkontakt-Kampfsport zog immer mehr Leute in seinen Bann. In den siebziger Jahren statteten offizielle Delegationen der Alljapanischen Kendo Föderation (ZNKR = Zen Nippon Kendo Renmei) den hiesigen Vereinen ihren Besuch ab und luden Schweizer Kendoka zur Teilnahme an der ersten Kendo Weltmeisterschaften ein.
1975 fand die erste Schweizer Meisterschaft statt, und Ende der siebziger Jahre gab es genügend Kendoka, um die erste Mannschaftsmeisterschaften durchzuführen. Zum ersten Mal unterrichtete auch ein Lehrer der ZNKR in der Schweiz: Nach Kasahara Hiroaki ist seither ein beliebtes Turnier benannt, welches jeden Herbst stattfindet.
In den achtziger Jahren wurden weitere Dojo gegründet. Weitere offizielle Besuche des ZNKR waren ein Zeichen für die zunehmende internationale Bedeutung der Schweizer Kendo Szene. Dies schlug sich auch in sportlichen Erfolgen nieder: 1982 gewinnt der Budokan Zürich als erstes Schweizer Team ein internationales Turnier, nämlich das traditionelle City Link heute Mumeishi Turnier in London. In den Jahren 1981 und 1986 wird Herbert Meierhofer Vizeeuropameister.
Erster Nationaltrainer wurde 1983 Dr. Miyasaka Masayuki. Nach seiner Rückkehr nach Japan im Jahre 1986 bis 1997 übernahm Kozaki Hiroshi diese Aufgabe.
Renshin Dojo Gelterkinden / Geschichtliches
Zu Anfang waren die Kendotreibenden in Gelterkinden auf die öffentlichen Gebäude angewiesen. Durch einen Wohnungsneubau mit Bürogebäude am Birkenweg in Gelterkinden wurde ein langersehnter Wunsch erfüllt. Es gab einen Übungsraum, der uneingeschränkt benutzbar ist.
Nach verschiedenen Eigenleistungen konnte das Dojo (Übungsraum) am 14. Dezember 1973 eingeweiht werden. Als Gäste wurde der Gemeinderat Gelterkinden, der seinerzeitige Vorsteher des kantonalen Sportamtes und die damaligen Anwohner des Birkenweges eingeladen.
Der Name „Renshin Dojo“, der grob übersetzt soviel, bedeutet wie „Stätte zur Abhärtung des Geistes“, wurde von Herrn Tokutaro Kimura gestiftet. Er war der erste Präsident des ZNKR (Zen Nippon Kendo Renmei) sowie des IKF (International Kendo Federation). Herr Kimura schenkte dazu ein eigenhändig geschriebenes Schriftbild, das im Dojo hängt. Dieses Bild überbrachte Herr Toshiaki Kasahara, erster Generalsekretär des ZNKR und der IKF. Sein Sohn Hiroaki Kasahara war 1972/73 während 18 Monaten als erster japanischer Kendotrainer in Gelterkinden stationiert. Er brachte uns die ersten Grundbegriffe des japanischen Schwertfechtens, sowie Iaido, die Kunst des Schwertziehens bei. Damit legte er das Fundament des schweizerischen Kendo. Als Nachfolger übernahm Hideo Sakai bis im Herbst 1974 den Kendounterricht. Von 1975 bis 1976 (22 Monate) amtete Satoshi Toki als Trainer, gefolgt von Toshiaki Noguchi in den Jahren 1977 und 1978 (22 Monate). Diese Lehrkräfte waren Inhaber des 4. Dan Kendo.
Um das Kendo in der Schweiz zu verbreiten, beteiligten sich die Japaner an vielen Demonstrationen, Wettkämpfen und Kursen. Von Mitte 1981 bis Mitte 1986 wohnte Dr. Masayuki Miyasaka in Kaiseraugst, wo er als Arzt immunologische Forschungsarbeiten betrieb und bei uns Kendo instruierte. Die Leute aus Basel und Umgebung, welche zum Kendotraining nach Gelterkinden kamen, entschlossen sich, wegen Reise- und Zeitproblemen in Basel eine Filiale aufzubauen. Dies wurde Mitte 1984 realisiert. Durch gegenseitige Trainingsbesuche wurde die Zusammengehörigkeit gepflegt. Anfangs 1987 trennte man sich aber wegen administrativen Schwierigkeiten. Dies geschah im gegenseitigen Einverständnis.
In Gelterkinden begannen bis heute insgesamt etwa 300 Personen mit dem Kendotraining.
Fritz Dettwiler 1995 Gelterkinden
|