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Als in Japan im 19. Jahrhundert innenpolitische Stabilität und eine längere friedliche Epoche erreichte, entwickelte sich das Iaijutsu (= Technik des Schwertziehens) zum Iaido (= die Kunst das Schwert zu ziehen) vom Kampf auf Leben und Tod, zur Kunst den Geist zu führen. Aus dem Fechtstil im Schlachtfeld wurde eine Kunst des Duells, die die Suche nach Vollkommenheit zum Inhalt hatte.
1968 entschlossen sich elf Schwertgrossmeister eine Form des Iaido zusammenzustellen, welche die wichtigen Elemente der historischen Schulen in nur sieben Einzelformen vereint; 1980 wurden drei weitere Formen hinzugefügt. Sie legten eine neue Richtung der Schwertkunst fest – das Seitei-Iai. Das Einüben dieser zehn Kata bilden seitdem die Grundlage des Iaido-Trainings. Dadurch wurde im Iai erstmals ein Allgemeinsystem als Auszug aus den klassischen Stilen gegründet, nachdem sich viele Übende des Iai richten. Dieses System steht aber im Gegensatz zu den alten klassischen Stilen, die sich durch ihre jeweiligen Techniken selbst definieren. In Japan ist Kendo sehr verbreitet und im Zen Nihon Kendo Renmei (Alljapanischer Kendo Verband) organisiert. 2000 kamen schliesslich noch zwei weitere Kata hinzu.
Iaido wird alleine gegen imaginäre Gegner praktiziert und verlangt Körperbeherrschung, höchste Konzentration im mentalen Bereich, wie auch ein hohes Mass an Vorstellungskraft. Die technische Seite des Iaido besteht darin, einen Angriff rechtzeitig zu spüren, sich zu verteidigen und möglichst „ohne Verletzung“ zu siegen. Sinn des Immer-Wieder-Übens des Bewegungsablaufes im Iaido ist die Beherrschung des Schwertes und mehrerer Kata.
Das wichtigste Ziel des Iaido ist die Schulung des Geistes: Seine Essenz liegt darin, Selbstbeherrschung zu wahren, um nicht zuerst einen äusseren Feind, sondern sein Ego zu besiegen; Iaido – die Suche nach Vollkommenheit!
Iaijutsu
Der japanische Schwertkult ist in der Geschichte eine einmalige Erscheinung. Das Samurai-Schwert übertraf und übertrifft noch heute bei weitem an Vollkommenheit, Schönheit und Schärfe, die auf der ganzen Welt hergestellten Klingen. Die Fechtkunst wurde von den Samurais als Talisman sowie als Fetisch geschätzt und in Ehre gehalten. Der Klinge wird bis zu einem gewissen Mass ein okkultes Eigenleben zugeschrieben. Die Kunst des Schwertfechtens bedeutete für den Samurai, welcher den Gesetzen des Bushido unterstand, die bedeutendste Manifestation des Zen. Das Schwert war für ihn Statuszeichen, Symbol seiner Ritter(l)ehre und seiner Seele.
Bis zum 16. Jahrhundert wurde die Kunst das Schwert zu führen ausschliesslich als Iaijutsu praktiziert. Zahlreiche Schulen lehrten ihre Techniken unter geheim gehaltenen Methoden. Vorwiegend Samurais eigneten sich das Wissen der vielfältigen Angriffs- und Verteidigungstechniken in verschiedenen Stellungen an.
Iaijutsu und Kenjutsu
Iaijutsu wurde angewendet, wenn der Gegner unerwartet sein Schwert zog. Dabei war es lebensnotwendig, Techniken zu entwickeln, mit dem das eigene Schwert schneller gezogen werden konnte, um den ersten Schlag auszuführen. Die Techniken nach dem besagten ersten Schlag (Iai) gehören dann in das System des Kenjutsu. Zum Iaijutsu gehört dann wieder das korrekte Zurückstecken des Schwertes in einem Zug.
Hayashizaki Shigenobu (1542-1621), Begründer des Iaijutsu. Hayashizaki wollte sich an dem Mörder seines Vaters rächen und überlegte lange, wie man einen Gegner töten könne, ohne ihn meuchlings zu ermorden. Dabei kam ihm die Idee, dass man lernen müsse, in jeder Lage das Schwert schneller zu ziehen als der Gegner, um den ersten Schlag anzubringen. Hayashizaki lernte zuerst den Umgang mit dem Schwert. Danach entwickelte er ein System, das er Battojutsu nannte, ein äquivalenter Begriff zum Iaijutsu. Sein Stil wurde bekannt unter den Namen „Hayashizaki ryu“ oder „Muso Jikiden ryu“. In der 5. Generation teilten seine Schüler den Stil in „Shin Muso Hayashizaki ryu“ und „Hayashizaki Muso ryu“. Im 18. Jh. Wurde von dem 7. Grossmeister Eishin Hasegawa aus dem Shin Muso Hayashizaki ryu ein neuer Stil abgeleitet und unter dem Namen „Eishin ryu“ (Muso Jikiden Eishin ryu) weitergeführt. Ein Segment endete mit dem 16. Grossmeister Nakayama (Hakudo) Hiromichi (Muso Shinden ryu), das andere geht bis in die heutige Zeit zum 19. Grossmeister Kono Momonori. Viele Anhänger des Iai sind jedoch der Meinung, dass der Orignalstil spätestens mit Meister Nakayama zu Ende ging.
Hayashizaki hatte eine Methode entwickelt, die sich von den bisherigen Techniken des Kenjutsu unterschied, weil sie – zwar ausnahmslos defensiv ausgerichtet – trotzdem tödlich im Konter war. Die Nachfolger Hayashizakis veränderten viele Prinzipien, die nach Meinung der traditionellen Anhänger des Iai die ursprüngliche Effektivität des Iaijutsu im Kampf zugunsten philosophischerWeg-Aspekte reduzierten. Die Modernen Varianten lehren Methoden, die im alten Konzept nicht enthalten waren, und finden Anstoss in der Betrachtung der Klassiker. So wird z.B. das Schwertziehen in Seiza oder Tachi hiza, die vom Kriegerstandpunkt her tote Stellungen waren, kritisiert. Die alten Krieger bevorzugten Iai goshi, eine tiefe, kauernde Position mit erhobenem rechtem Knie, die mehr Mobilität ermöglichte. Die Sitzposition Seiza wurde aus dem späteren städtischen Leben ins Iai hineinprojiziert und entspricht nicht der Realität des alten japanischen Kriegerlebens.
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